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Warum ich mich entschlossen habe, in einem Ashram zu Leben – Teil 2

Warum ich mich entschlossen habe, in einem Ashram zu Leben – Teil 1
23. Oktober 2016
Warum ich mich entschlossen habe, in einem Ashram zu Leben – Teil 3
7. November 2016
 

Ein alternativeres Leben, die Suche nach Menschen mit offenem Herzen und offenen Augen

Im ersten Teil habe ich mich kurz vorgestellt und du konntest einen kurzen ├ťberblick ├╝ber meine Pers├Ânlichkeit und meine Weltanschauung erhalten. Hier komme ich jetzt zu einer entscheidenden Lebensphase und erz├Ąhle dir noch mehr ├╝ber meinen Lebensweg.

Ich war lange wie gefangen und damit auch unzufrieden mit meinem Leben.

Ich bin also ein vegetarischer Hippie, der mit dem "durchschnittlichen" gesellschaftlichen Vorstellungen eines angemessenen Lebensweges nichts anfangen konnte, und sich aufgrund der Unterschiede und dem Gef├╝hl irgendwie nichts oder nur wenig bewirken zu k├Ânnen gefangen oder verloren f├╝hlt...gaaanz grob gesagt. Mir ging es trotzdem meistens gut, jedoch in meinem Inneren war diese Weltentfremdung schon recht oft und deutlich zu sp├╝ren.

Ich suchte die Menschen, die sich f├╝r das Gute einsetzen, hatte sie bis dato jedoch noch nicht gefunden. Aber man findet sie, und wie das im Leben so ist...diese Lektion mu├čte ich auch erst noch lernen.

Irgendwann war ich auch so verunsichert, hoffnungslos, und hatte irgendwie aufgegeben, dass ich mich noch aktiv f├╝r das Gute in der Welt einsetzen konnte, dass ich mich in Online-Welten fl├╝chtete. Mit Anfang 20 hatte ich einen Computer und begann ein MMORPG zu spielen. Ich war darin gefangen, ich wollte einfach auch nicht dieses Wirtschaftssystem unterst├╝tzen, dass so deutlich an die Wand f├Ąhrt.

Ich wollte Frei sein, verbunden mit anderen Menschen, die sich f├╝r das Leben und gegen alles Zerst├Ârerische entschieden haben.
 

Aufgrund dessen hatte ich dann, nachdem ich mein Studium abgebrochen hatte, nur noch Nebenjobs angenommen um mich ├╝ber Wasser zu halten. So verstrichen viele Jahre. Ich habe nicht die ganze Zeit gezockt, aber ich war auch sehr viel Allein, ich hatte wenige Freunde, die ├Ąhnlich wie ich das Leben sahen.

Dann hatte ich mit 26 eine Freundin, mit der ich mir auch wirklich mehr vorstellen konnte, und die Nebenjobs erf├╝llten mich auch nicht, da ich mich nicht weiter entwickeln konnte, und so kam dann doch der Wunsch auf eine Ausbildung abzuschlie├čenÔÇŽvielleicht doch Kinder zu kriegen und sich etwas aufzubauen.

Anders ausgedr├╝ckt, ich gab meine alte Sichtweise der Welt auf und folgte dem Durchschnittsb├╝rgertum immer mehr. Ich schloss also meine Ausbildung ab. Ich wurde ein IT-Systemelektroniker, weil ich diese IT-Affinit├Ąt habe und mich PCs faszinieren. Ich arbeitete danach in dem Bereich und verdiente auch nicht schlecht. Ich war Angestellter und Freiberufler und hatte genug Geld, mehr als das, ich hatte viel mehr Geld als ich ben├ÂtigteÔÇŽnur so richtig zufrieden war ich nicht. Au├čerdem habe ich eine tiefe Verachtung f├╝r Autos, und dann bekommt man auch noch ein Dienstwagen gestellt. Meine Aversion gegen dieses Leben, Geld verdienen von eight-to-five und dann wieder ausgeben, PS3, 42ÔÇť-TV, Klamotten uswÔÇŽdas machte f├╝r mich einfach keinen Sinn. Denn au├čen ging die Welt weiter zugrunde, immer mehr Tierarten starben aus oder kamen auf die rote Liste, immer mehr vom Menschen gemachte Umweltkatastrophen kamen und kommen. Mensch wach auf, dachte ich mir so oft. Dann ging die Beziehung nach vier Jahren in die Br├╝cheÔÇŽich f├╝hlte auch dies wie eine Befreiung von diesem Lebensweg. Denn meine damalige Freundin war nicht auf dem Weg den ich eigentlich immer gehen wollte. Auch hier hatte ich mich in Abh├Ąngigkeiten und Illusionen gegeben, die mich von meinen Wurzeln entfernten.

Äthiopien - Der Wendepunkt, die Erdung, die Verwurzelung

Dann kam der entscheidende Wendepunkt in meinem Leben. Ich war bei einem Kunden am PC-reparieren. W├Ąhrend ich dort unter dem Tisch rumkroch unterhielten sie sich ├╝ber Entwicklungshilfe, und ich mischte mich nat├╝rlich in das Gespr├Ąch mit ein und sagte: ÔÇ×Wenn schon Unterst├╝tzen, dann bitte kleine lokale Projekte, wenn ihr so etwas wie Unicef unterst├╝tzt kommt das Geld nie bei den Menschen an, die es ben├Âtigen.ÔÇť Und Lucia antwortete mir, dass dies ein kleines Waisenheim in ├äthiopien sei, und sie selbst schon da gewesen w├Ąre, und es ein wundervoller Ort ist. Ich sprach dann mit ihr dar├╝ber, und das es schon fr├╝her mein Wunsch gewesen ist, so etwas zu tun. Dazu meinte sie dann: ÔÇ×Dann mach das doch, ich stelle den Kontakt mit dem Direktor des Waisenheimes her.ÔÇť Und so kam es, dass ich meinen Job in der IT-Firma k├╝ndigte, und dann im Jahr 2013 nach ├äthiopien flog, um drei Monate in einem Waisenheim auszuhelfen.

Ein Teil von mir wird immer dort sein.
Das Waisenheim in dem ich aushalf war ein besonderer Ort. Ich empfinde so tiefen Dank in mir f├╝r diese Zeit und f├╝r die M├Âglichkeit die mir dort geschenkt wurde.
 

Es war die bedeutendste Zeit meines Lebens. In den 35 Jahren zuvor habe ich nie diese Intensit├Ąt erlebt, das Leben so bewusst gelebt, wie in diesen letztlich f├╝nf Monaten.

Ich f├╝hrte ein ganz einfaches Leben, ein Zimmer mit einer Matratze, einen Rucksack mit meinen pers├Ânlichen Gegenst├Ąnden und Kleidung, ein Gaskocher und ein wenig Geschirr. Nur das N├Âtigste was man zum Leben ben├Âtigt. T├Ąglich frisches Biogem├╝se vom Markt, t├Ąglich unendliche Geschenke von Menschen, die noch viel, viel weniger als wir hatten. Diese Herzlichkeit der ├äthiopier, dieses wundervolle Waisenheim. Diese tiefe Verbindung zu den Menschen dort.

Das hat mich wieder geerdet, mich zur├╝ck zu meinem alten Lebensweg gebracht, die alten W├╝nsche wieder verst├Ąrkt, meine Wurzeln neu geerdet. Dar├╝ber hinaus den Wunsch f├╝r ein alternativeres Leben fundiert. ├äthiopien hat mir gezeigt, was wirklich wichtig ist im Leben. Sich f├╝r das Richtige einzusetzen, Mitgef├╝hl und Hilfsbereitschaft zu teilen. Diesem Treu zu bleiben, nicht dem Konsum anheimzufallen, denn dieses System wird versagen. Sich f├╝r die Gemeinschaft einzusetzen, f├╝r das Miteinander, f├╝r andere Menschen. F├╝r Frieden, Gl├╝ck, Freude, Verbundenheit, Mitgef├╝hl und Liebe zu stehen und diese in der Welt zu vermehren. R├╝cksichtsvoll zu leben und mit wenig zufrieden zu sein, sich in Demut zur├╝ck nehmen.

Und dann kommt man zur├╝ck, und kann es einfach nicht begreifen, wie und wof├╝r wir Geld verschwenden, wie wir dieses Leben leben k├Ânnen und andere haben so wenig. Und dann jammern, meckern und beschweren wir uns alle noch den ganzen TagÔÇŽdabei haben wir alles, noch viel mehrÔÇŽDeutschland ist das Paradies, unbeschreiblich, wenn man vor wenigen Stunden noch durch die staubigen Stra├čen Addis Abebas ging, die Armut sah, und dann kommt man in der Halle des Flughafens an, alles glitzert und funkelt, Werbung ├╝berall, und man denkt sich: Was hat das alles gekostet, und k├Ânnten davon nicht Tausende einfach ges├Ąttigt werden? ├äthiopien hat mich zur├╝ck zu meinen Wurzeln gebracht, und mir klar gemacht, dass ich nie wieder f├╝r diese Wirtschaft, rein kapitalistische Interessen, mein Leben geben werde, meine Zeit aufopfern werde. Ich werde nur noch das tun, was ich f├╝r mich vertreten kann.

Wir alle sind mit dieser Zeit beschenkt worden, und m├╝ssen selbst entscheiden, wie wir sie verbringen wollen. Und am Ende des Lebens, wem musst du dann Rechtfertigung darbringen, wem musst du sagen k├Ânnen: ÔÇ×Ich habe das Richtige getan, ich bereue das Wenigste!ÔÇťÔÇŽnur dirÔÇŽdir allein. Und ist es nicht das schlimmste Vorstellbare, wenn du dann dein Leben oder einen gro├čen Teil davon bereuen m├╝sstest? Mu├č nicht unser aller Ziel sein, das Leid zu mindern, anderen zu helfen, uns f├╝r das Gute im Leben einzusetzen? Mu├č nicht unser h├Âchste Entwickelte Tugend die Liebe und das Mitgef├╝hl sein?

Aber wie das so ist, irgendwann holt dich das Leben in dieser Gesellschaft wieder einÔÇŽdie Leute vom Arbeitsamt haben daf├╝r kein Verst├Ąndnis, wenn es nach ihnen ging, s├Ą├če ich bald wieder in einem B├╝ro und w├╝rde IT Support machen.

Also doch wieder in der Gastro jobben, da wei├č man wenigstens abends, was man tags├╝ber geleistet hat. Wenn einem dann alle Knochen schmerzen, die F├╝├če und der R├╝cken und man durchgeschwitzt und fertig ist.

Dennoch war der Wunsch da, aus diesem System auszubrechen, aber einfach Rucksack packen und losziehen, dass ging auch nicht, da ich noch zwei Katzen hatte, die seit ihrer Kindheit bei mir lebten, und die ich nicht einfach abgeben konnte. Sie waren meine Familie und begleiteten mich seit ├╝ber 15 Jahren.


Im n├Ąchsten Artikel kannst du meinen Werdegang in der Zeit nach ├äthiopien verfolgen und an meinem spirituellen Wandel teilhaben. Ich danke dir, dass du mir bis hierher gefolgt bist. Es geht noch weiter. Viel Spa├č beim lesen. Der Artikel wird in 7 Tagen erscheinen. Herzlich, mit viel Licht und Liebe, Freude und Verbundenheit, Simon.

4 Comments

  1. ansgar lindemann sagt:

    danke!

  2. chiron sagt:

    Hallo Simon, das was du schreibst kann ich alles sehr gut nachvollziehen. Diese Betrachtungsweise ist meiner nicht fern. Den Schritt in einem Ashram zu gehen und dort zu leben und zu praktizieren finde ich sehr mutig, vielleicht eine gute Alternative. Ich m├Âchte mal einen Yoga Urlaub bei Euch verbringen. Sei herzlich gegr├╝├čt und ich bin gespannt wie es hier weitergeht. Om Shanti Chiron

    • Simon sagt:

      Danke lieber Chiron, ich w├╝nsche dir eine gute Zeit, und schau doch hier einmal vorbei. =) Auch wenn du nur ein paar Tage kommst, es tut gut, einfach den Ort kennen zu lernen, und ihn f├╝r sich zu entdecken. Wenn du noch nie hier warst, empfehle ich dir ein Yoga und Meditation Einf├╝hrungsseminar mitzumachen. Das kostet ca. 100 Euro, aber von deiner Krankenkasse solltest du so ca. 80% zur├╝ck bekommen. Informier dich vorher genau, was deine “Kraka” f├╝r Bedingungen hat, und was du alles an Formularen ben├Âtigst. Seminare findest du hier http://bit.ly/2nVRnar, und sie finden in jedem Ashram (Nordsee, Westerwald, Allg├Ąu, und nat├╝rlich in Bad Meinberg) jedes Wochenende statt.Bestimmt bis bald =) Simon Sureshwara

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