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Warum ich mich entschlossen habe, in einem Ashram zu leben – Teil 5

23. November 2016
Das Buch: „Faszien-Yoga“ von Tasja Walther und Johanna Piglas, eine Review
20. November 2016
Wenn ich meine Augen schließe…
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Wow, schon bis hierher bist du gekommen. Ich danke dir von Herzen. In diesem Artikel, der etwas länger ausfällt, kannst du viel darüber lesen, wie sich Yoga bei mir auswirkt. Darüber hinaus kommen wir zu meiner Yogalehrerausbildung und meinen Weg zum Ashram. Da sind natürlich sehr viele Details, die ich dir so nicht erklären kann, sonst müßte man ein ganzes Buch darüber schreiben.

Dennoch glaube ich, dass du hier einen guten Eindruck in meine Gefühlswelt erhälst und vielleicht auch ein wenig den Wandel wahrnehmen kannst, der mit mir geschieht. Ich wünsche dir beim Lesen und eintauchen in diese etwas andere, und dennoch wunderschöne und intensive Welt des Yoga ein offenes Herz und offene Augen. Vielleicht beobachtest du ja einfach nur erstmal, ohne zu bewerten und zu analysieren. Namaste Simon.

I ch möchte damit anfangen, wie sich Yoga auf meinen Alltag auswirkt. Yoga macht mich freier, glücklicher, zufriedener. Es erfüllt mich mit Ruhe und Gelassenheit. Es schenkt mir Freude und Harmonie. Und die Meditation ist wie ein Allround-Antibiotikum für die Seele. All die Zeit, die ich in meiner Stadt verbracht habe, die mir wie aushalten und abwarten vorkam, wird nun gefüllt mit der Schönheit des Lebens. Intensivere Gefühle, intensiveres Spüren, intensiveres Erfahren. Es ist wie beim Klettern, nur, dass die Effekt des Yoga länger anhalten, man es überall und jederzeit praktizieren kann…und man natürlich nicht stürzen kann.

Der Yoga bringt mir auch diese innere Distanz zu meinen Gedanken und Gefühlen, so dass ich genauer schauen kann, wo diese herkommen. Auch erkenne ich, wie ich diese leichter loslassen kann und als Teil von mir akzeptieren kann. Yoga bedeutet so viel mehr als nur körperliche Betätigung. Es tut einerseits sehr gut, jeden Tag Sport zu treiben, andererseits tut es auch sehr gut, wenn man jeden Tag ganz bewusst Zeit für sich nimmt, um die Gedanken zu ordnen. Dadurch beruhigt sich deinn Geist. Wenn du dir Zeit für Entspannung nimmst und du die Welt Welt sein lässt und dich auf dich selbst fokussierst.

Man beginnt mehr und mehr bei sich anzukommen.

Durch die erhöhte Achtsamkeit und das erhöhte Körpergefühl nimmt man immer deutlicher wahr, was einem gut tut, und was man lieber vermeiden möchte. Mein allgemeiner Stress-Level sinkt noch viel weiter. Wo ich vorher stets gut gelaunt war, Freude und Liebe geteilt habe, kommt eine noch tiefere Freude und Liebe hinzu. Die Verbindung mit meinen Freunden intensiviert sich noch mehr.

Das ist jetzt nicht so einfach zu verstehen. Auch wenn ich mich gefangen fühlte, so war ich besonders seit Äthiopien, aber auch schon davor, nie der Meinung, dass man jammernd und klagend durch das Leben gehen sollte. Das Leben ist ein einzigartiges Geschenk, und wir hier in der ersten Welt haben eigentlich kaum Gründe uns zu beklagen.

In der Meditation beruhigen sich meine Gedanken, und mein Geist wird klarer. Mein Geist ist wie ein See, wenn es keine Wellen gibt, dann kann ich bis auf den grund schauen.


„Yoga hat ganz deutlich Einfluß auf mein Leben.”

Yoga hat meine Weltanschauung auch noch weiter verfestigt. Ich kann nun ganz bewusst und klar erkennen, dass Zufriedenheit, Freude und Glück aus mir herauskommen, Teil meines Selbst sind. Und indem ich das immer deutlicher erkenne und steuern kann, kann ich mich noch intensiver dafür entscheiden, Freude, Liebe, Glück, Hingabe, Mitgefühl und Füreinander in mein Leben zu lassen. Tiefe Emotionen und Liebe in mein Leben zu lassen, mit dem Leben an sich zufrieden zu sein, das war schon vorher meine Lebenseinstellungen, jetzt jedoch fühl ich das intensiver, bleibe fokussierter und dadurch fühle ich mich glücklicher, stabiler und mehr im Ich angekommen.

Das tolle am Yoga ist eben auch, dass es sich durch all die positiven Eigenschaften nicht nur gut auf mich selbst auswirkt, sondern weil es eben ein so umfassendes Konzept ist und meine Gedanken, meine Psyche, meine innere Einstellung positiv verändert, wirkt es sich auch positiv auf die Menschen in meinem Umfeld aus. Ich werde hilfsbereiter, empathischer, mitfühlender, verbundener. Ich spüre, dass ich noch mehr Positivität in meinem Leben haben möchte und sorge dafür. Dazu zählt auch, dass ich mich darum kümmere, dass es den Menschen in meinem Umfeld besser geht, ganz unbewusst, ohne irgendwelche Ziele, ohne Dank zu erwarten. Ich achte noch mehr auf meine Ernährung. Da ich noch feinfühliger werde, verzichte ich nach und nach ganz auf Milchprodukte.

Darüber hinaus schaffe ich es immer mehr die Angewohnheiten, die mir nicht so gut gefallen, Schritt für Schritt abzustellen. Ich hatte 12 Jahre geraucht, dann hatte ich mit dem Buch endlich Nichtraucher von Allen Carr es geschafft fünf Jahre nicht zu rauchen, aber seit Äthiopien mit dem Rauchen wieder angefangen. Dank des Yogas gelang es mir meinen Zigarettenkonsum zu mindern. Schließlich wurde es von allein immer weniger, bis ich letztendlich wieder ganz aufhörte.

 

Der Beginn meiner Yogalehrerausbildung und wie alles so kommt wie es kommen muss.

Nachdem ich all diese positiven Erfahrungen machen durfte, und heute immer noch mache, war relativ bald klar, dass ich wirklich sehr gern eine Yogalehrer-Ausbildung machen würde. Ich möchte andere Menschen helfen, entspannter, zufriedener, liebevoller zu werden. Im Folgenden habe ich mich also erkundigt, und mich mit der Center-Leitung besprochen und dort auch viel Unterstützung erhalten.

Ich bin Corinna, der Leiterin des Kasseler Stadtcenters sehr dankbar für ihre Offenheit und Hilfsbereitschaft und Herzlichkeit. Auch wenn ich mir nicht viel leisten konnte, so habe ich mich für die Ausbildung angemeldet. Mir war klar, dass mir dann am Ende des Monats kein Geld übrig bleiben würde. Aber das ist und ist es mir Wert gewesen. Allein die Aussicht mehr in Yoga einzutauchen, mehr zu verstehen, warum es was in mir auslöst, ist sehr verlockend. Darüber hinaus sorgt die Ausbildung ja auch für eine persönliche Weiterentwicklung.

Nun, da hat man sich also entschlossen eine Yogalehrer-Ausbildung (die 2-jährige) berufsbegleitend zu machen, und was passiert dann? Mein Arbeitsvertrag in der Kletterhalle wird nicht verlängert. Ich bin sehr überrascht, nachdem ich so viel, auch ehrenamtlich für den Verein gemacht hatte, und unter „Umständen, wie sie früher für mich normal waren“, wär ich wahrscheinlich sehr niedergeschlagen gewesen und hätte mich erst einmal zurück gezogen, mich in meiner Höhle verkrochen und hätte ein bisschen Trübsal geblasen.

Ich habe mich vierundzwanzig Stunden nicht beschwert, und es hat mein Leben verändert.

Seitdem ich jedoch damit angefangen hatte, mich nicht mehr zu beschweren, lief ich mit einer Leichtigkeit durch mein Leben, die ich so noch nicht kannte. Ich hatte das auf Facebook gelesen, das „Jammerfasten“ ganz einfach dein Leben verändern würde, und hatte es einfach ausprobiert, und was soll ich sagen, es stimmt. Wenn man all die negativen Gedanken weglässt, die da so aufkommen, zum Beispiel wegen dem miesen Wetter, anderen Menschen, einem Selbst, dem Kontostand, der Politik, eben allem was einen irgendwo belasten kann, dann hat man auf einmal unendlich viel mehr Energie in sich.

Indem ich dann auch noch täglich meditierte, hatte ich einen guten Schritt Abstand zu meinen Emotionen und war ihnen nicht hilflos ausgeliefert. So fiel es mir ganz leicht, mich nicht über meine neue Arbeitsplatzsituation zu beschweren, sondern es einfach so hinzunehmen wie es war, und die Dinge zu erledigen, die jetzt gemacht werden mussten. Irgendwie wird es ja schon weiter gehen. Und wirklich…es ging weiter. Und da ich mich nicht mit negativen Gedanken oder einer negativen Einstellung zu meiner Situation habe runter ziehen lassen, hatte ich sogar richtig gute Laune und eine positive Sicht auf die Zukunft.

Ich bekam dann auch von einem guten Freund das Angebot, ihm in seiner Werkstatt auszuhelfen, und so konnte ich mir trotz Arbeitslosengeld meine Yogalehrerausbildung (YLA) leisten. Es blieb nichts am Ende des Monats über, aber mit Containern und Lebensmittelretten ging es dann doch ganz gut.

Der endgültige Entschluss kam dann schnell.

Zuletzt bin ich seit mehreren Wochen in der Yogalehrerausbildung, ganz ungebunden (beruflich), und sehe, welche Möglichkeiten ich für meine Zukunft habe. Ich könnte wieder in der Gastro bei meinem alten Arbeitgeber jobben, der hat mir auch schon zugesagt, aber auf keinen Fall mehr in einem Büro für ein IT Unternehmen.

Möchte ich das alles wirklich, hat es mich denn bisher glücklicher gemacht?

Also lasse ich erstmal mein Leben einfach so dahin fließen, da ich momentan nur darauf warte, dass die Biergartensaison wieder losgeht. Dann kommt aber das Ashram-Wochenende unserer Ausbildung. Kurzum, alle YLAs fahren in das Wochenende um einen Workshop zu einem bestimmten Thema zu machen. Folglich freue ich mich sehr, wieder nach Bad Meinberg fahren zu können. Das Thema lautet „Der spirituelle Weg“, und es kommen einige YLAs aus anderen Centern zusammen. Mein Bruder ruft mich am Donnerstag an, und erzählt mir, dass unser Großvater ins Krankenhaus gekommen ist, und dass es ihm gar nicht gut geht. Er lebte in Detmold, praktisch direkt um die Ecke von Bad Meinberg. Ich entschließe mich also, Freitag so früh wie möglich nach Detmold zu fahren, ihn zu besuchen, da die Aussage der Ärzte wirklich nicht gut ist. Die Kasseler YLAs holen mich dann vom Krankenhaus ab, besprechen wir. Ich habe so die Möglichkeit, meinen Großvater als einziger aus der Familie noch einmal zu sehen und zu verabschieden, da es am Ende so schnell ging, und unsere Familie weit verstreut lebt. Seine letzten Stunden verbringe ich mit ihm, und gegen Mittag hat er dann seine körperliche Hülle verlassen. Ich bin das ganze Wochenende in einer seltsamen Stimmung, denn es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich einen Menschen im Sterben liegen sah.

Das Wochenende war spannend und für mich.
Es hat sich wieder eher wie ein nach Hause kommen angefühlt, als das es sich wie ein ankommen angefühlt hat. So viel Licht und Friede geht von Bad Meinberg aus. Am übernächsten Montag sollte die Beerdigung stattfinden, und ich entschloss mich daher dazu, schon am Freitag in den Ashram zu fahren, und einfach ein paar Tage als Mithelfer zu arbeiten, viel zu meditieren und zu praktizieren. Ich wollte auch schauen, ob ich mir vielleicht vorstellen könnte, als Sevaka dort anzufangen. Ich machte mein Karmayoga in der Küche, und irgendwie war ich freitags schon bei 75% Überzeugung angelangt, samstagmorgens waren es dann schon 90% und Samstagabend war ich bei 99%. Mir kam es so vor, also ob ich mich noch selbst überzeugen wollte, es jedoch schon längst klar war. Im Folgenden schrieb ich meine Bewerbung und meinen spirituellen Lebenslauf, und bin mir von Anfang an ganz sicher, dass dies der Ort ist, an dem ich die nächsten Jahre verbringen möchte.

Einige bleiben wirklich viele Jahre Sevaka. So Unterstützen sie aktiv und auf verschiedenste Weise die höheren Ziele des Yoga, die höheren Ziele von Swami Sivananda, Swami Vishnu-devananda und Sukadev. Frieden, Licht, Liebe und Heilung in der Welt zu vermehren und zu den Menschen zu bringen.

Andere bleiben einige Zeit, vielleicht ein Jahr, vielleicht auch ein wenig länger, machen in der Zeit, in der sie hier sind nebenbei die Yogalehrerausbildung und gehen dann ihrer Wege...tragen vielleicht den Yoga in die Welt hinaus und haben so für sich selbst einen neuen Lebensweg beschritten.


 

Natürlich fiel es mir nicht sehr leicht, meine Wohnung, in der ich schon seit fast zehn Jahren lebte, in der schon knapp einhundert Menschen aus der ganzen Welt über Couchsurfing bei mir geschlafen hatten, die selbst ein Ort des Friedens, der Gemeinschaft, der Verbindung war, loszulassen.

So viele Erinnerungen, die daran gebunden waren, die Wände vollgeschrieben und gemalt von den Menschen, welche mich besucht hatten. Doch ich wollte sie ja verlassen, um meine Fähigkeiten Frieden und Liebe, Miteinander und Verbundenheit in der Welt zu verbreiten, zu verbessern und zu erlangen. Darüber hinaus erhielt ich so viel Zuspruch von meinen Freunden, den YLAs, der Centerleitung, und auch Unterstützung bei den Vorbereitungen, dass alles irgendwie im Fluss war, und es mir dann so doch irgendwie gelang, dass alles ganz einfach hinter mir zu lassen.

Danach habe ich alles abgegeben, was ich seit über 4 Wochen nicht benutzt hatte.
Ich habe Rechnungen weggeschmissen, die seit 6 Jahren in meinem Ordner waren, ich habe Bücher weggegeben, die ich über alles liebte, die ich aber länger nicht gelesen hatte. Ich habe verschenkt, was ich verschenken konnte. Und was soll ich sagen? Es fühlte sich auch so gut an, all die Altlasten einfach loszulassen, nur das Nötigste zu bewahren und mit mir nehmen zu wollen. Es war eine Befreiung, wie an dem Tag, als ich aufbrach nach Afrika…ebenso tief, meine Gedanken, mein Geist ebenso klar über mein Vorhaben.
Auch hatte ich von meinen Vermietern nie eine Mieterhöhung erhalten, und Schwups, hatte ich mich entschlossen ins Ashram zu ziehen, kam eine. Diese konnte ich dann als Anlass nehmen meine Wohnung mit nur einem Monat Kündigungsfrist zu kündigen statt dreien.
Das Arbeitsamt hatte mir eine Frist gesetzt, bis der ich eine neue Stelle vorweisen konnte, sonst hätte ich in eine zwei-monatige Maßnahme zum Bewerbungsschreiben gemusst. Die Antwort, dass ich mit meinem Praktikum anfangen kann, kam genau einen Tag vorher.
Alles war so im Fluss, es schien fast, als ob mich eine Kraft zum Ashram führen wollte, mir den Weg dorthin erleichtern wollte. Erst verliere ich meinen Job, dann kommt die Mieterhöhung, das Arbeitsamt hat Nachsicht und verzögert bis zum letzten Moment; das sind nur einige Ereignisse, die mich irgendwie erstaunten und mir zu Hilfe kamen.
Dass ich auch meine Katze mitnehmen konnte spielte für mich natürlich eine sehr große Rolle, und so zog ich dann im April, am Geburtstag meiner Mutter, nach Bad Meinberg.

Wie dann das Ankommen im Ashram genau war, und all die zahlreichen, kaum zu beschreibenden Eindrücke der ersten Wochen kann ich hier leider nicht alle schreiben.

Ich kann nur sagen, dass es ein wundervoller Ort voller vieler lieber Menschen ist, die sich für eine fantastische Sache einsetzen. Ich habe in den ersten Wochen leider nicht nur super-positives erlebt, und es ist sicherlich auch nicht ganz einfach, sich in eine so spezielle und kleine Gemeinschaft einzuleben. Aber jeder, der ernsthaft daran interessiert ist, sich spirituell weiter zu entwickeln, der wird hier seinen Platz finden und auch glücklich werden. Du wirst wachsen, du wirst etwas lernen, und du wirst dich weiter entwickeln.
Nach einem halben Jahr kann ich nur sagen, dass es das Paradies für jeden ist, der Yoga liebt. Man hat hier die Möglichkeit so schön zu praktizieren und hat hier so viele Geschenke, das man es kaum beschreiben kann. Dazu gehören wunderschöne Satsangs, Mantrakonzerte, Klangreisen, Sauna und vieles mehr. Ich werde im nächsten Beitrag darüber schreiben, wie so ein Alltag eines Sevakas aussehen kann, was wir für Aufgaben und Verpflichtungen haben, und was wir hier alles geboten bekommen.

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