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Warum ich mich entschlossen habe, in einem Ashram zu Leben – Teil 3

7. November 2016
Warum ich mich entschlossen habe, in einem Ashram zu Leben – Teil 2
31. Oktober 2016
Yoga Kongress 2016 bei Yoga Vidya
9. November 2016
 

Der Wunsch Gutes zu bewirken - Der Drang meine negativen Auswirkungen auf diese Welt zu vermindern

Irgendwie hatte ich die ganze Zeit über das Gefühl, dass ich nicht aus diesem Wirtschaftssystem ausbrechen konnte, immer Teil des Kommerzes war. Egal was ich tat, irgendwie blieb immer dieser fade Beigeschmack. Ich begann mit Containern und Lebensmittel zu retten, ich schaffte es über ein Jahr nach Äthiopien mir keine neuen Anschaffungen zu machen. Außer ein paar Hemden für die Arbeit kaufte ich einfach gar nichts neu. Ich lies die Dinge zu mir kommen, gebraucht und genutzt, geschenkt.

Doch mein Wunsch bestand weiterhin, aus diesem System auszubrechen und meine Lebensweise intensiver zu ändern. Ich fühlte mich gefangen, denn egal was ich machte, ich unterstütze dieses System im Großen und Ganzen doch weiter.

Wie konnte ich ausbrechen? Ich war wirklich in einem Loch gefangen. Eine erste Erdung brachte mir dann das Klettern, dass mir mein bester Freund näher brachte. Endlich hatte ich etwas gefunden, was mir etwas zurückgab. Mich ganz bei mir sein lies, mir Kraft und Energie schenkte. Als dann noch Aushilfen in der Kletterhalle gesucht wurden, sagte ich sofort, dass muss ich machen. Denn diese Arbeit war weniger kapitalistisch, man hatte mehr mit Menschen zu tun, die eine eher alternative Einstellung zum Leben haben, und klettern schenkte mir selbst so viel.

 

Einige Zeit später wurde ich dann als Festangestellter aufgenommen, und machte auch noch meine Ausbildung zum Klettertrainer. Ich freute mich sehr, denn das klettern gab mir inneren Frieden und diese Harmonisierung. Dann kam es jedoch zu zwei schweren Unfällen in der Halle in der ich arbeitete. Mein Kletterpartner und bester Freund zog weg, weshalb meine Motivation Schritt für Schritt weniger wurde. Irgendwann boulderte ich nur noch ein- bis zweimal die Woche.

Die Entwicklung tieferer Spiritualität - Mein langsames Erwachen

Ich suchte wieder eine Alternative, und von ganz allein fing ich wieder an mich hinzusetzen, in die Stille zu gehen um zu Meditieren. Sehr rudimentär, ohne Visualisierung, ohne Anleitung, einfach Warten und Sitzen in der Stille und beobachten. Früher hatte ich das schon mal gemacht, mit 16 oder siebzehn, aber nicht lange und nicht intensiv. Seit Äthiopien wurde dies wieder mehr und mehr.

Zuerst wusste ich auch recht wenig über Meditation, doch nach und nach wurden die Meditationssitzungen länger, bis ich schließlich drei bis viermal die Woche so um die fünfzehn Minuten saß. Zwar total in mich eingesunken, nicht aufgerichtet, und angespannt, und dennoch hat es mir schon geholfen. Ich wurde ruhiger, wieder fröhlicher und kam wieder mehr bei mir selbst an.

Dann postete Phillip (den Namen hab ich geändert), ein ehemaliger Arbeitskollege etwas auf Facebook, was mein Leben schließlich enorm verändern würde. Ich hatte mir beim letzten Besuch bei meiner Mutter, und das erste Mal seit 10 Jahren, ein Buch von ihr ausgeliehen, ganz ohne Hintergedanken, ohne etwas darüber zu wissen. Es sprach mich den Tag einfach so intensiv an. Ich lieh mir also das Buch: „Die Autobiografie eines Yogi“ von Paramahansa Yogananda aus und laß es auch gleich zur Hälfte durch. Dann erzählte ich Phillip davon, wie toll anscheinend Yoga ist, und er bat mich ihm das Buch zu leihen. Da ich zu der Zeit zu viel zu erledigen hatte, lieh ich es ihm, ohne es weiter als die Hälfte gelesen zu haben. Er gab mir das Buch dann irgendwann zurück, und ich hörte lange nichts von ihm.

Meine Einstellung zum Universum, zum ganzen Rest, zu allem Existenten, betrachtete ich als eine buddhistische Weltanschauung. Die Welt wird nur dann ein besserer Ort, wenn man mehr Gute und positive Handlungen ausführt, als negative. Ich glaubte ja nicht an Gott, aber an die Funktion von Karma konnte ich glauben. Dieses System ist so offensichtlich, dass man es einfach akzeptieren muss, als gültig erachten muss.

Nun, da bin ich also aus Afrika wieder gekommen, hatte meine Motivation fürs Klettern verloren und die Meditation wurde ein immer wichtigerer Teil in meinem Leben, da schreibt Phillip auf Facebook: „Ich bin heute Yogalehrer geworden.“. Des Weiteren hatte ich auch kurze Zeit zuvor Mantren entdeckt. Zum chillen nach der Arbeit hörte ich ab und an „ॐ Deva Premal & The Gyuto Monks Of Tibet ॐ Tibetan Mantras For Turbulent Times ॐ“ auf Youtube. Und irgendwann hatte ich festgestellt, dass man die ja einfach mitchanten kann, was dazu geführt hatte, dass meine anschließende Meditation viel tiefer wurde. Und es dauerte auch gar nicht lange, da konnte ich die ganze Stunde mitchanten. Diese Klarheit, diese Vibration, diese Weite in meinem Innern danach war unglaublich.

Darüber hinaus war dann auch ein spiritueller Liederabend in Kassel, von dem ich richtig geflashed war. Tief berührt hat mich das gemeinsame singen und chanten der spirituellen Lieder aus der ganzen Welt. All die Energie der Mantren, die wir dort gesungen hatten. Es war so ein schöner Abend, und am Ende hatten wir alle ein paar Tränen in den Augen. Die Nacht der spirituellen Lieder gibt es übrigens jedes Jahr in mehreren deutschen Städten.

Ich war also richtig neugierig, warum Phillip denn nun eine Yogalehrer Ausbildung gemacht hatte, und schrieb ihn an. Er meinte: „Erinnerst du dich an das Buch? Ich habe mich gleich für einen Anfänger-Kurs angemeldet, und Yoga hat mir dann so gut gefallen, dass ich mich später auch für die Yogalehrerausbildung angemeldet habe, um tiefer in die Welt des Yoga einzutauchen.“

Wow.

Ich googlte also nach Yoga Vidya und Yogalehrer, wo er seine Ausbildung machte…und dann kam da Mantra singen und Meditation als ein großer wichtiger Teil vor. Ich war sofort Feuer und Flamme. Dann lass ich auf der Yoga Vidya-Seite von der Möglichkeit der Mitarbeit (dem selbstlosen dienen) und der Mithilfe in einem Ashram, und dass man dafür ein Yoga- und Meditationseinführungs-Wochenende mitgemacht haben mußte. Ich war so interessiert, dass ich mir sofort für einige Wochen später ein Wochenende gebucht hatte, da ich unbedingt dieses Ashram, diesen Ort des Friedens, kennen lernen wollte. Vielleicht würde ich da in Zukunft ja auch mal, in meinem Urlaub, als Mithelfer eine Woche arbeiten oder so, stellte ich mir vor.

 

Im nächsten Beitrag erzähle ich über meine erste Berührung mit Yoga und wie sich von da an alles weiter entwickelt hat. Dieser erscheint dann am 14.11.2016.
Namaste, viel Licht und Frieden euch allen Lieben. Simon.

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