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Warum ich mich entschlossen habe, in einem Ashram zu Leben – Teil 2

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Warum ich mich entschlossen habe, in einem Ashram zu Leben – Teil 1
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Warum ich mich entschlossen habe, in einem Ashram zu Leben – Teil 3
7. November 2016
 

Ein alternativeres Leben, die Suche nach Menschen mit offenem Herzen und offenen Augen

Im ersten Teil habe ich mich kurz vorgestellt und du konntest einen kurzen Überblick über meine Persönlichkeit und meine Weltanschauung erhalten. Hier komme ich jetzt zu einer entscheidenden Lebensphase und erzähle dir noch mehr über meinen Lebensweg.

Ich war lange wie gefangen und damit auch unzufrieden mit meinem Leben.

Ich bin also ein vegetarischer Hippie, der mit dem "durchschnittlichen" gesellschaftlichen Vorstellungen eines angemessenen Lebensweges nichts anfangen konnte, und sich aufgrund der Unterschiede und dem Gefühl irgendwie nichts oder nur wenig bewirken zu können gefangen oder verloren fühlt...gaaanz grob gesagt. Mir ging es trotzdem meistens gut, jedoch in meinem Inneren war diese Weltentfremdung schon recht oft und deutlich zu spüren.

Ich suchte die Menschen, die sich für das Gute einsetzen, hatte sie bis dato jedoch noch nicht gefunden. Aber man findet sie, und wie das im Leben so ist...diese Lektion mußte ich auch erst noch lernen.

Irgendwann war ich auch so verunsichert, hoffnungslos, und hatte irgendwie aufgegeben, dass ich mich noch aktiv für das Gute in der Welt einsetzen konnte, dass ich mich in Online-Welten flüchtete. Mit Anfang 20 hatte ich einen Computer und begann ein MMORPG zu spielen. Ich war darin gefangen, ich wollte einfach auch nicht dieses Wirtschaftssystem unterstützen, dass so deutlich an die Wand fährt.

Ich wollte Frei sein, verbunden mit anderen Menschen, die sich für das Leben und gegen alles Zerstörerische entschieden haben.
 

Aufgrund dessen hatte ich dann, nachdem ich mein Studium abgebrochen hatte, nur noch Nebenjobs angenommen um mich über Wasser zu halten. So verstrichen viele Jahre. Ich habe nicht die ganze Zeit gezockt, aber ich war auch sehr viel Allein, ich hatte wenige Freunde, die ähnlich wie ich das Leben sahen.

Dann hatte ich mit 26 eine Freundin, mit der ich mir auch wirklich mehr vorstellen konnte, und die Nebenjobs erfüllten mich auch nicht, da ich mich nicht weiter entwickeln konnte, und so kam dann doch der Wunsch auf eine Ausbildung abzuschließen…vielleicht doch Kinder zu kriegen und sich etwas aufzubauen.

Anders ausgedrückt, ich gab meine alte Sichtweise der Welt auf und folgte dem Durchschnittsbürgertum immer mehr. Ich schloss also meine Ausbildung ab. Ich wurde ein IT-Systemelektroniker, weil ich diese IT-Affinität habe und mich PCs faszinieren. Ich arbeitete danach in dem Bereich und verdiente auch nicht schlecht. Ich war Angestellter und Freiberufler und hatte genug Geld, mehr als das, ich hatte viel mehr Geld als ich benötigte…nur so richtig zufrieden war ich nicht. Außerdem habe ich eine tiefe Verachtung für Autos, und dann bekommt man auch noch ein Dienstwagen gestellt. Meine Aversion gegen dieses Leben, Geld verdienen von eight-to-five und dann wieder ausgeben, PS3, 42“-TV, Klamotten usw…das machte für mich einfach keinen Sinn. Denn außen ging die Welt weiter zugrunde, immer mehr Tierarten starben aus oder kamen auf die rote Liste, immer mehr vom Menschen gemachte Umweltkatastrophen kamen und kommen. Mensch wach auf, dachte ich mir so oft. Dann ging die Beziehung nach vier Jahren in die Brüche…ich fühlte auch dies wie eine Befreiung von diesem Lebensweg. Denn meine damalige Freundin war nicht auf dem Weg den ich eigentlich immer gehen wollte. Auch hier hatte ich mich in Abhängigkeiten und Illusionen gegeben, die mich von meinen Wurzeln entfernten.

Äthiopien - Der Wendepunkt, die Erdung, die Verwurzelung

Dann kam der entscheidende Wendepunkt in meinem Leben. Ich war bei einem Kunden am PC-reparieren. Während ich dort unter dem Tisch rumkroch unterhielten sie sich über Entwicklungshilfe, und ich mischte mich natürlich in das Gespräch mit ein und sagte: „Wenn schon Unterstützen, dann bitte kleine lokale Projekte, wenn ihr so etwas wie Unicef unterstützt kommt das Geld nie bei den Menschen an, die es benötigen.“ Und Lucia antwortete mir, dass dies ein kleines Waisenheim in Äthiopien sei, und sie selbst schon da gewesen wäre, und es ein wundervoller Ort ist. Ich sprach dann mit ihr darüber, und das es schon früher mein Wunsch gewesen ist, so etwas zu tun. Dazu meinte sie dann: „Dann mach das doch, ich stelle den Kontakt mit dem Direktor des Waisenheimes her.“ Und so kam es, dass ich meinen Job in der IT-Firma kündigte, und dann im Jahr 2013 nach Äthiopien flog, um drei Monate in einem Waisenheim auszuhelfen.

Ein Teil von mir wird immer dort sein.
Das Waisenheim in dem ich aushalf war ein besonderer Ort. Ich empfinde so tiefen Dank in mir für diese Zeit und für die Möglichkeit die mir dort geschenkt wurde.
 

Es war die bedeutendste Zeit meines Lebens. In den 35 Jahren zuvor habe ich nie diese Intensität erlebt, das Leben so bewusst gelebt, wie in diesen letztlich fünf Monaten.

Ich führte ein ganz einfaches Leben, ein Zimmer mit einer Matratze, einen Rucksack mit meinen persönlichen Gegenständen und Kleidung, ein Gaskocher und ein wenig Geschirr. Nur das Nötigste was man zum Leben benötigt. Täglich frisches Biogemüse vom Markt, täglich unendliche Geschenke von Menschen, die noch viel, viel weniger als wir hatten. Diese Herzlichkeit der Äthiopier, dieses wundervolle Waisenheim. Diese tiefe Verbindung zu den Menschen dort.

Das hat mich wieder geerdet, mich zurück zu meinem alten Lebensweg gebracht, die alten Wünsche wieder verstärkt, meine Wurzeln neu geerdet. Darüber hinaus den Wunsch für ein alternativeres Leben fundiert. Äthiopien hat mir gezeigt, was wirklich wichtig ist im Leben. Sich für das Richtige einzusetzen, Mitgefühl und Hilfsbereitschaft zu teilen. Diesem Treu zu bleiben, nicht dem Konsum anheimzufallen, denn dieses System wird versagen. Sich für die Gemeinschaft einzusetzen, für das Miteinander, für andere Menschen. Für Frieden, Glück, Freude, Verbundenheit, Mitgefühl und Liebe zu stehen und diese in der Welt zu vermehren. Rücksichtsvoll zu leben und mit wenig zufrieden zu sein, sich in Demut zurück nehmen.

Und dann kommt man zurück, und kann es einfach nicht begreifen, wie und wofür wir Geld verschwenden, wie wir dieses Leben leben können und andere haben so wenig. Und dann jammern, meckern und beschweren wir uns alle noch den ganzen Tag…dabei haben wir alles, noch viel mehr…Deutschland ist das Paradies, unbeschreiblich, wenn man vor wenigen Stunden noch durch die staubigen Straßen Addis Abebas ging, die Armut sah, und dann kommt man in der Halle des Flughafens an, alles glitzert und funkelt, Werbung überall, und man denkt sich: Was hat das alles gekostet, und könnten davon nicht Tausende einfach gesättigt werden? Äthiopien hat mich zurück zu meinen Wurzeln gebracht, und mir klar gemacht, dass ich nie wieder für diese Wirtschaft, rein kapitalistische Interessen, mein Leben geben werde, meine Zeit aufopfern werde. Ich werde nur noch das tun, was ich für mich vertreten kann.

Wir alle sind mit dieser Zeit beschenkt worden, und müssen selbst entscheiden, wie wir sie verbringen wollen. Und am Ende des Lebens, wem musst du dann Rechtfertigung darbringen, wem musst du sagen können: „Ich habe das Richtige getan, ich bereue das Wenigste!“…nur dir…dir allein. Und ist es nicht das schlimmste Vorstellbare, wenn du dann dein Leben oder einen großen Teil davon bereuen müsstest? Muß nicht unser aller Ziel sein, das Leid zu mindern, anderen zu helfen, uns für das Gute im Leben einzusetzen? Muß nicht unser höchste Entwickelte Tugend die Liebe und das Mitgefühl sein?

Aber wie das so ist, irgendwann holt dich das Leben in dieser Gesellschaft wieder ein…die Leute vom Arbeitsamt haben dafür kein Verständnis, wenn es nach ihnen ging, säße ich bald wieder in einem Büro und würde IT Support machen.

Also doch wieder in der Gastro jobben, da weiß man wenigstens abends, was man tagsüber geleistet hat. Wenn einem dann alle Knochen schmerzen, die Füße und der Rücken und man durchgeschwitzt und fertig ist.

Dennoch war der Wunsch da, aus diesem System auszubrechen, aber einfach Rucksack packen und losziehen, dass ging auch nicht, da ich noch zwei Katzen hatte, die seit ihrer Kindheit bei mir lebten, und die ich nicht einfach abgeben konnte. Sie waren meine Familie und begleiteten mich seit über 15 Jahren.


Im nächsten Artikel kannst du meinen Werdegang in der Zeit nach Äthiopien verfolgen und an meinem spirituellen Wandel teilhaben. Ich danke dir, dass du mir bis hierher gefolgt bist. Es geht noch weiter. Viel Spaß beim lesen. Der Artikel wird in 7 Tagen erscheinen. Herzlich, mit viel Licht und Liebe, Freude und Verbundenheit, Simon.

4 Comments

  1. ansgar lindemann sagt:

    danke!

  2. chiron sagt:

    Hallo Simon, das was du schreibst kann ich alles sehr gut nachvollziehen. Diese Betrachtungsweise ist meiner nicht fern. Den Schritt in einem Ashram zu gehen und dort zu leben und zu praktizieren finde ich sehr mutig, vielleicht eine gute Alternative. Ich möchte mal einen Yoga Urlaub bei Euch verbringen. Sei herzlich gegrüßt und ich bin gespannt wie es hier weitergeht. Om Shanti Chiron

    • Simon sagt:

      Danke lieber Chiron, ich wünsche dir eine gute Zeit, und schau doch hier einmal vorbei. =) Auch wenn du nur ein paar Tage kommst, es tut gut, einfach den Ort kennen zu lernen, und ihn für sich zu entdecken. Wenn du noch nie hier warst, empfehle ich dir ein Yoga und Meditation Einführungsseminar mitzumachen. Das kostet ca. 100 Euro, aber von deiner Krankenkasse solltest du so ca. 80% zurück bekommen. Informier dich vorher genau, was deine „Kraka“ für Bedingungen hat, und was du alles an Formularen benötigst. Seminare findest du hier http://bit.ly/2nVRnar, und sie finden in jedem Ashram (Nordsee, Westerwald, Allgäu, und natürlich in Bad Meinberg) jedes Wochenende statt.Bestimmt bis bald =) Simon Sureshwara

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